Brigitte Bruckner-Mikl

Sophie Cieslar, Zu den Landschaften Brigitte Bruckners, 2014

„Panta rhei“, alles fließt, alles ist ständig in Veränderung, Lebendes wächst und vergeht. In der Natur gibt es Vollkommenes und Unvollendetes, Zusammengehendes und Auseinanderstrebendes, Dinge stehen entweder im Einklang oder in Widerspruch zueinander. So ist es auch in den Bildern Brigitte Bruckners. Sie stellt Ausgeführtes neben unvollendet Wirkendes, Farbflächen neben grafisch anmutende Elemente, farbige Stellen gegen den weiß gelassenen Bildgrund. Mit zart verlaufenden, aquarellartig aufgetragenen Blau- und Grüntönen beschreibt sie die Wasseroberflächen der klaren Bergseen. Manchmal ist der Farbauftrag großflächig, manchmal sind es nur einige Akzente dem Uferverlauf entlang, die ihr zur Schilderung des nassen Elements genügen. Bisweilen lässt sie die Farbe auch die Leinwand hinunterrinnen, das Wasser wird hier also nicht nur gemalt, sondern in der Darstellung fühlbar gemacht. Die zart angedeuteten Bergrücken spiegeln sich im klaren See wieder, in anderen Bildern ist es genau umgekehrt und das rinnende Wasser findet sich gegengleich am Hang des Berges wieder. Manches wird in die Fläche geklappt, anderes führt wieder in die Tiefe. Bruckner versteht es, die Enge eines Bergtales durch ihre Malerei zu öffnen, der Blick wird von den klaren Farben der Landschaften gefangen genommen und gleichzeitig an den auslaufenden Rändern der Malerei ins Unendliche weitergeführt. Es gibt keine Grenzen, keinen genau definierten Anfang oder ein Ende. Die Linien der Bergrücken laufen rechts und links ins Leere, Wasser läuft über den unteren Bildrand hinaus.

Wenngleich Brigitte Bruckners Bilder ohne Menschen auskommen, sind sie doch beseelt und voll Leben. Sie zeigen die uns umgebende Naturschönheit und sind gleichzeitig Sinnbilder tief in uns schlummernder Empfindungen.