Brigitte Bruckner-Mikl

Carl Aigner: Erinnerung und Gegenwart, 2010

Nicht zuletzt durch die Photographie und der daraus folgenden Realitätsdebatte einerseits und der kontrapunktischen Abstraktionsdebatte andererseits haben wir vielfach aus dem Blick verloren, dass jedes Bild immer eine Arbeit der visuellen Übersetzung von Vorstellung, Wahrnehmung und Welt ist. Malerei ist daher immer auch Transsubstantiation, ein Schnittpunkt von Wirklichkeits- und Möglichkeitssinn.

 

Das Werk von Brigitte Bruckner vermag dies in besonderer Weise zu vermitteln: Nicht nur ist sie eine subtile bildnerische Erzählerin, der es gelingt, Themen wie Interieur, Landschaft oder Portraits in aktueller Weise in die kunsthistorische Form von Stillleben zu verwandeln. Im Gestus ihrer Malerei, dem dünnflüssigen Auftrag von Ölfarbe in Verbindung mit einem fragmentarischen Pinselstrich sowie dem spezifischen Timbre der Farben gerinnen die Bildwerke buchstäblich zu einer metaphorischen und melancholischen Autobiographie. Dem Stillleben inhärent, ist das Moment der Zeitlichkeit ein Signum ihrer Malerei, deren erzählerischer Impetus wie von selbst ein lyrischer ist.
 

Die Verwandlung von alltäglichen, banalen und mit vielfältigen persönlichen Bezügen verhafteten Objekten, Gegenständen und Alltagsdingen ist dabei eine permanente Transkription von Erinnerung und Gegenwart. Es ist das scheinbar Unscheinbare und Zurückgenommene, welches die Intensität und Aura ihrer Darstellungen bewirkt. Gerade dadurch werden die vermittelten Gegenstände zu Persönlichkeiten mit eigener Physiognomie und zu konstanten Lebensbegleitern einer künstlerischen Existenz. Es ist diese bildnerische Verschränkung von Kunst und Leben, welche – gerade durch die Form des Stilllebens – in allen Werken durchschimmert wie die pure Leinwand durch die Farbgebung von Brigitte Bruckner. Bilder autobiogrammatischer Emanationen eines behutsamen memento mori. So sind ihre Bilder gewiss „eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis“, wie Paul Klee einmal so schön geschrieben hat.