Brigitte Bruckner-Mikl

Artur Rosenauer, Auszug aus Eröffnungsrede, 2005

 

Auszug aus der Eröffnungsrede der Ausstellung: Brigitte Bruckner - Josef Mikl, Schloss Grafenegg

In den Bildern von Brigitte Bruckner-Mikl erleben wir eine Faszination durch einfache, stereometrische Gebilde, bei denen es sich aber nicht um abstrakte stereometrische Formen, sondern um konkrete Gegenstände handelt, deren Dinghaftigkeit in der Darstellung besonders spürbar wird. In „Anna im Drachenkostüm“, in dem Anna mit ihrem grünem Gesicht an eine Orientalin aus den Marokkobildern von Matisse oder an eine kauernde Figur von Gauguin erinnert, ist es bezeichnend, dass die Buchstaben des Wortes Anna, nicht flach auf die Wand gemalt sind,  sondern als dreidimensionale Gebilde erscheinen.
Wenn man das Bild „Sofa mit Kelim“ durch die Flucht der Ausstellungsräume von den Bogenöffnungen überschnitten sieht, dann bekommen die dargestellten Objekte den Charakter von etwas Realem – und das obwohl ihr Charakter als Malerei, man beachte nur wie oft die herunterrinnende Farbe stehen gelassen ist, nie verleugnet wird.
Diese eigenartige Gegenwärtigkeit beruht darauf, dass die Gegenstände nicht durch einen einheitlichen Perspektivraum relativiert werden. Sie müssen sich nicht einem perspektivischen System unterordnen, sondern behaupten ihre eigene Perspektive. So kann z.B. eine Kiste vorne etwas kleiner erscheinen als hinten. Brigitte Bruckner Mikl bürstet ihre Objekte gegen den Strich der Perspektive, wodurch sie den dargestellten Dingen eine Sperrigkeit und Präsenz verleiht.
Bekanntlich wurde die Perspektive im frühen 15. Jahrhundert als eine der großen Errungenschaften der Renaissance „erfunden“. Damit war die Vorherrschaft des Raumes begründet, allerdings auf Kosten der Unterordnung der einzelnen Gegenstände unter das System der Perspektive. Im späten 13. und im 14. Jahrhundert, also noch in vorperspektivischer Zeit, gibt es Künstler – ich denke an den oft mit Giotto verwechselten Meister des Franziskuszyklus in Assisi - bei denen die Objekte dadurch, dass nicht dem Raum unterworfen sind, besonders präsent sind. Ähnliches ist auch bei Brigitte Bruckner-Mikl der Fall. Die Objekte gelangen stärker zur Geltung, weil der Raum aus den Fugen geraten oder gar nicht vorhanden ist. Keine Umgebung, kein Ambiente stört den Dialog der Dinge. Das Wort Gegen-Stand hat hier wieder seinen ursprünglichen Sinn erhalten.